Freitag, 03 April 2020 08:03

Ihre Berater informieren - COVID -19

Ihre Berater informieren über unsere Erfahrungen im Umgang mit den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise. Was es jetzt zu beachten gibt.
Welche Maßnahmen jetzt erforderlich sind, aber auch welche Punkte zu beachten sind, um diese besondere Krisensituation zu meistern.
Mit unseren Newsletter vom 16. März 2020, 25. März und 26. März 2020 hatten wir Sie über die erste grundsätzlichen Maßnahmen der Bundes- und Landesregierung zur Bewältigung der Corona-Krise informiert, Ihnen unsere ersten Erfahrungen dargestellt und Ihnen Empfehlungen für die einzelnen Bereiche an die Hand gegeben.

Noch immer hält die Informationsflut zur Corona-Krise weiter an. Wir möchten Ihnen deshalb wie gewohnt vor allem praktische Erfahrungen im Umgang mit einzelnen Instrumenten an die Hand geben und Sie auf Punkte/Fallstricke hinweisen, die sich unserer Erfahrung nach in der Praxis ergeben haben bzw. ergeben könnten.

Unsere Informationen unterteilen sich in die Bereiche

I.    Recht
II. Steuern & Abgaben
III. Betriebswirtschaft


I. Recht

a)    Arbeitsrecht
In Bezug auf das Thema Kurzarbeit haben sich bislang keine Neuerungen ergeben. Wir verweisen deshalb hierzu auf unsere Newsletter vom 18. und 26. März 2020.

Praktische Probleme werden vermutlich erst sichtbar im Rahmen des Lohnlaufes für April 2020. Insbesondere die von zahlreichen Arbeitgebern freiwillig gewählten Aufstockungen bereiten bei dem einen oder anderen Lohnabrechnungssystem technische Probleme. Hier sollte also genügend Vorlauf bei der Abrechnung eingeplant werden und es bietet sich an Probeabrechnungen vorzunehmen, um die rechtzeitig zu testen, ob die Aufstockungen sich technisch umsetzen lassen.

b)    Insolvenzrecht

Insolvenzantragspflicht
Die Pflicht zur Stellung eines Insolvenzantrags wird vom 1.3.2020 bis zum 30.9.2020 (der sogenannte Aussetzungszeitraum) ausgesetzt.

Voraussetzungen für die Aussetzung sind:    
  1. Die Insolvenzreife ist Folge der Corona-Krise.
  2. Es muss die Aussicht bestehen, dass die Zahlungsunfähigkeit beseitigt werden kann.
Entscheidungshilfe: Es gilt die gesetzliche Vermutung, dass die Zahlungsunfähigkeit aufgrund der Pandemie eingetreten ist und dass diese nach der Krise beseitigt werden wird, wenn der Schuldner im Dezember 2019 nicht zahlungsunfähig war.

Haftungserleichterung für Geschäftsführer und Vorstände (AG, GmbH, GmbH & Co KG, Verein, Genossenschaft)

Soweit die o. g. Pflicht zur Stellung eines Insolvenzantrags ausgesetzt ist,

  • gelten Zahlungen, die im ordnungsgemäßen Geschäftsgang erfolgen, insbesondere solche Zahlungen, die der Aufrechterhaltung oder Wiederaufnahme des Geschäftsbetriebes oder der Umsetzung eines Sanierungskonzeptes dienen, als mit der Sorgfalt eines ordentlichen und gewissenhaften Geschäftsleiters vereinbar. Das gilt insbesondere für Kredite, die von der KfW oder anderen Instituten im Rahmen staatlicher Hilfsprogramme gewährt werden, auch dann, wenn der Kredit nach dem Ende des Aussetzungszeitraums gewährt oder besichert wird, und unbefristet für deren Rückgewähr.
  • gilt die Rückgewähr von Gesellschafter-Darlehen bis zum 30. September 2023, die im Aussetzungszeitraum gewährt worden sind, nicht als Gläubigerbenachteiligung,
  • gilt die Rückgewähr von Sicherheiten (Ausnahme: Sicherheiten für Gesellschafter-Darlehen), die zur Absicherung solcher Kredite eingeräumt worden sind, bis zum 30. September 2023 ebenfalls nicht als Gläubigerbenachteiligung,
  • sind Kreditgewährungen und Besicherungen im Aussetzungszeitraum nicht als sitten-widriger Beitrag zur Insolvenzverschleppung anzusehen,
  • gelten die gesetzlichen Rangrücktrittsregeln für Gesellschafterdarlehen nicht
  • sind Forderungstilgungen im Aussetzungszeitraum in einem späteren Insolvenzverfahren nicht anfechtbar. Das gilt allerdings nicht, wenn dem Gläubiger bekannt war, dass die Sanierungs- und Finanzierungsbemühungen des Schuldners nicht zur Beseitigung der eingetretenen Zahlungsunfähigkeit geeignet gewesen sind. Daher sind problematisch u.a. Leistungen an Erfüllung statt, Zahlungen durch einen Dritten auf Anweisung des Schuldners, die Verkürzung von Zahlungszielen und die Gewährung von Zahlungserleichterungen.

Gläubigerinsolvenzanträge
Insolvenzanträge durch Gläubiger können nur gestellt werden, wenn der Eröffnungsgrund be-reits am 1. März 2020 vorlag.

c)    Gesellschaftsrecht
GmbH: Beschlüsse der Gesellschafter in Versammlungen sind nunmehr auch in Textform oder durch schriftliche Abgabe der Stimmen ohne Einverständnis sämtlicher Gesellschafter möglich.

Genossenschaften: Beschlüsse der Mitglieder können auch schriftlich oder elektronisch gefasst werden, wenn dies nicht ausdrücklich in der Satzung zugelassen ist. Auch sind Einberufungen im Internet oder in Textform möglich. Jahresabschlüsse können alleine durch den Aufsichtsrat festgestellt werden.

Vereine und Stiftungen: Ein Vorstandsmitglied des Vereins oder einer Stiftung bleibt auch nach Ablauf seiner Amtszeit bis zur Bestellung seines Nachfolgers im Amt. Der Vorstand kann be-schließen, dass Mitglieder an Versammlungen auch ohne Anwesenheit am Versammlungsort teilnehmen können. Die elektronische Kommunikation kann erlaubt werden.

Aktiengesellschaften: Hier gibt es eine Reihe von pandemie-bedingten Anpassungen (u.a. virtuelle Hauptversammlungen und virtuelle Aufsichtsratssitzungen). Sollten Sie Interesse an weiteren Informationen zu Besonderheiten bei Aktiengesellschaften haben, sprechen Sie uns bitte an.

d)    Mietrecht
Vermieter: Können im Aussetzungszeitraum nicht außerordentlich kündigen, wenn der Mieter in Zahlungsverzug gerät.

Mieter: Haben keinen Anspruch auf Mietminderung.


e)    Dauerschuldverhältnisse
Kleinstunternehmer haben das Recht, ihre Verpflichtungen aus wesentlichen Dauerschuldverhältnissen zu verweigern. Dabei müssen folgende Voraussetzungen vorliegen:
  • Das Dauerschuldverhältnis muss vor dem 08. März 2020 geschlossen worden sein.
  • Die wirtschaftliche Verschlechterung muss eindeutig durch die Ausbreitung des Corona-Virus entstanden sein.
  • Der Unternehmer kann einen angemessenen Lebensunterhalt für sich oder seine unterhaltsberechtigten Angehörigen nicht mehr sicherstellen.

Das Recht endet am 30.06.2020.

Unternehmerdefinition Kleinstunternehmen:  höchstens 10 Beschäftigte und Jahresumsatz < als 2 Mi-o.€.

Das gleiche Recht haben Verbraucher im Übrigen auch. Von diesem Moratorium gibt es aber Rückausnahmen, wenn der Anspruchsberechtigte dadurch unzumutbar belastet wird. Pauschale Aussagen sind daher nicht möglich. Der Beratungsbedarf sollte abgestimmt werden.

Bitte beachten Sie: Das Verweigerungsrecht gilt nicht für Miet-, Pacht- und Arbeitsverträge.

f)    Verbraucherdarlehen
Für die (Zahlungs-)Pflichten des Verbrauchers gelten zu seiner Entlastung in der Übergangszeit diverse Ausnahmen, aber auch Rückausnahmen. Pauschale Aussagen sind auch hier nicht möglich. Der Beratungsbedarf sollte abgestimmt werden.

II. Steuern & Abgaben

a) Ertragsteuern

Allgemein

Mittels Schreiben des Bundesministeriums bzw. gleich lautender Erlasse der obersten Finanzbehörden der Länder vom 19. März 2020 wurden folgende Maßnahmen für unmittelbar und nicht unerheblich betroffene Steuerpflichtige umgesetzt (in Bezug auf die Gewerbesteuer gibt es zwar keine bundeseinheitliche Mitteilung der Städte, nach unseren Erfahrungen folgen die Städte aber den Anweisungen des Bundes für die Finanzämter):

  • Herabsetzung der Einkommen-, Körperschaft und Gewerbesteuervorauszahlungen 2020
  • Herabsetzung der Umsatzsteuer-Sondervorauszahlungen für das Jahr 2020 auf Null und Erstattung (auf Antrag) der bereits geleisteten Umsatzsteuer-Sondervorauszahlung für das Jahr 2020
  • zinslose Stundung von Steuerzahlungen

Empfehlung
Bei unmittelbarer wirtschaftlicher Auswirkung durch die Corona-Krise bzw. wenn absehbar ist, dass die Corona-Krise eine Auswirkung auf Ihr Unternehmen haben wird, empfehlen wir weiterhin unverändert

  • Anträge auf Herabsetzung der Einkommen-, Körperschaft und Gewerbesteuervorauszahlungen 2020 zu stellen
  • Anträge auf Dauerfristverlängerung für die Umsatzsteuer 2020 bzw. einen Antrag auf Erstattung der geleisteten Umsatzsteuer-Sondervorauszahlung 2020 zu stellen
  • Antrag auf Erstattung bereits für das erste Quartal geleisteter Vorauszahlungen (Einkommen-/Körperschaftsteuer)
  • Anträge auf Stundung von Einkommen-, Körperschaft,- bzw. Gewerbesteuernachzahlungen (z.B. für gerade veranlagte Steuererklärungen 2018 oder 2019) zu stellen
  • Antrag auf Stundung von Umsatzsteuerzahlungen aus den laufenden Umsatzsteuer-Voranmeldungen zu stellen.

Erfahrungen und zu beachtende Punkte
Unsere Erfahrungen mit den Anträgen auf Herabsetzung von Steuervorauszahlungen wie auch auf Herabsetzung bzw. Erstattung der Umsatzsteuer-Sondervorauszahlung für das Jahr 2020 zeigen, dass diesen Anträgen in der überwiegenden Zahl der Fälle gefolgt wird.

In Bezug auf zinslose Stundungen von Steuerzahlungen erfolgt ebenfalls überwiegend eine problemlose und unbürokratische Stundung, wenn der Steuerpflichtige zu einer von der Corona-Krise betroffenen Branche gehört (z.B. Reiseunternehmen, Ärzte, Restaurants etc.). Das Finanzamt fordert aber stellenweise eine detaillierte Begründung an, wenn nicht unmittelbar die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise erkennbar sind. Bei Gewährung der zinslosen Stundung erfolgt diese zurzeit grundsätzlich für drei Monate.   
   
Hinsichtlich der Gewährung der Steuerherabsetzungen bzw. zinslosen Stundungen ist zu beachten, dass diese Maßnahmen dazu gedacht sind wirtschaftlich betroffene Unternehmen zu stützen. Insbesondere die zinslose Stundung von Steuerzahlungen sollte daher nur dann beantragt werden, wenn eine wirtschaftliche Beeinträchtigung des Unternehmens durch die Corona-Krise auch tatsächlich vorliegt oder überwiegend wahrscheinlich auftreten wird. Sollte eine wirtschaftliche Beeinträchtigung des Unternehmens konkret noch nicht eingetreten sein,  erachten wir es als zumindest möglich, dass die Finanzverwaltung nachträglich die Zinsfreiheit der Stundung widerruft mit der Konsequenz, dass die gestundete Zahlung der noch geltenden Regelverzinsung von 0,5% pro Monat unterworfen wird. Praktische Erfahrungen bestehen naturgemäß noch nicht. Wir raten jedoch dazu, in solchen Fällen eine entsprechende Dokumentation vorzuhalten, mit der später belegt werden kann, warum eine Beeinträchtigung im Zeitpunkt der Antragstellung befürchtet werden musste.   

b) Lohnsteuer

Allgemein

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) hat am 29. März 2020 angekündigt, in der Corona-Krise Bonuszahlungen für Arbeitnehmer bis 1.500 Euro steuerfrei zu stellen. Der Finanzminister begründet dies damit, dass „viele Arbeitnehmer täglich im Einsatz unter erschwerten Bedingungen sind, um uns zu versorgen – als Pflegekraft, an der Supermarktkasse, als Krankenhausarzt, hinterm Lkw-Lenkrad. Dieses Engagement sollten wir honorieren.“

Erfahrungen und zu beachtende Punkte
Die Ankündigung einer steuerfreien Sonderzahlung ist grundsätzlich als positiv zu begrüßen. Es muss allerdings abgewartet werden, ob dies so kommt und wenn, welche Voraussetzungen an die Steuerfreiheit der Bonuszahlung gesetzt werden. Es ist noch unklar, ob die Steuerfreiheit nur auf bestimmte Berufsgruppen beschränkt ist oder generell gewährt werden kann. Ebenfalls ist noch zu klären, ob neben der Steuerfreiheit auch die Freiheit von Sozialversicherungsbeiträgen gewährt wird.

3) Lohnsteueranmeldung
Allgemein

Das Finanzministerium Nordrhein-Westfalen hat am 2. April 2020 verkündet, dass ab sofort auf Antrag eine zweimonatige Fristverlängerung für die Lohnsteueranmeldung gewährt wird. Entsprechend wird die für März 2020 abzuführende Lohnsteuer erst zum 10. Juni 2020 fällig. Dies gilt analog für die Fristen zur Lohnsteueranmeldung für das erste Quartal. Die Anträge für die Frist-Verlängerung sind bis zum 10. April 2020 bei dem für die Lohnsteuer zuständigen Finanzamt einzureichen.

Empfehlung und zu beachten
Wir empfehlen allen durch die Corona-Krise betroffenen Unternehmen zur kurzfristige Verbesserung der Liquiditätssituation Anträge zur Fristverlängerung der Lohnsteueranmeldung zu stellen. Zu beachten ist allerdings, dass das Finanzministerium Nordrhein-Westfalen die Fristverlängerung nur notleidenden Unternehmen gewähren möchte und „in der Krise florierende Unternehmen, etwa in der Lebensmittelbranche“ durch Finanzminister Lutz Lienenkämper explizit ausgeschlossen wurden.

III. Betriebswirtschaft

a) Soforthilfe des Landes NRW für Solo-Selbständige, Kleinstunternehmen und Freiberufler

Allgemein

Seit Freitag, den 27. März 2020 ab 12:00 Uhr mittags, können online Anträge für Soforthilfe gestellt werden. Die Soforthilfe erfolgt im Rahmen eines einmaligen, nicht rückzahlbaren Zuschusses. Sie ist gestaffelt nach der Zahl der Beschäftigten und beträgt für drei Monate:

  • 9.000 Euro für antragsberechtigte Solo-Selbstständige und Antragsberechtigte mit bis zu 5 Beschäftigten,
  • 15.000 Euro für Antragsberechtigte mit bis zu 10 Beschäftigten,
  • 25.000 Euro für Antragsberechtigte mit bis zu 50 Beschäftigten
Für weitere Details verweisen wir auf unseren Sonder-Newsletter vom 26. März 2020.

Erfahrungen und zu beachtende Punkte
Wir konnten feststellen, dass die Bearbeitung der gestellten Anträge – wie von der Landesregierung versprochen – zügig und unbürokratisch erfolgte und bereits am Freitag bzw. am Montag schriftlich eine Genehmigung der Soforthilfe erfolgte.
Allerdings ist dem Antrag und dem Genehmigungsschreiben zu entnehmen, dass zahlreiche Voraussetzungen konkret erfüllt sein müssen. Im Rahmen der Antragsunterlagen wird auf einige Sachverhalte hingewiesen. Die ersten Erfahrungen zeigen jedoch, dass es bezüglich einiger Voraussetzungen noch erhebliche Unklarheiten gibt.

In diesem Zusammenhang möchten wir vor allem auf folgende Punkte hinweisen, die als Orientierung dienen sollen und darüber hinaus für den jeweiligen Einzelfall gegebenenfalls noch einmal geprüft werden müssen:

  • Bitte beachten Sie, dass alle Angaben sehr genau gemacht werden müssen. Bei der Soforthilfe handelt es sich um eine Subvention, deren Fehlverwendung strafrechtliche Bestandteile nach sich ziehen kann. Nachfolgend findet sich noch einmal ein Auszug aus dem Antragsformular, wo explizit darauf hingewiesen wird.

Auszug aus Antrag:
Mir ist bekannt, dass es sich bei den Angaben zu Ziffer 1., 2., 4., 5. und 6. um subventionserhebliche Tatsachen i. S. d. § 264 des Strafgesetzbuches i. V. m. § 2 des Subventionsgesetzes vom 29. Juli 1976 (BGBI I S. 2037) und Art. 1 des Landessubventionsgesetzes (GV. NW. 1977 S. 136) handelt. Mit ist bekannt, dass vorsätzlich oder leichtfertig falsche oder unvollständige Angaben sowie das vorsätzliche oder leichtfertige Unterlassen einer Mitteilung über Änderungen in diesen Angaben die Strafverfolgung wegen Subventionsbetrug (§ 264 StGB) zur Folge haben können.

  • Es ist zum Zeitpunkt der Antragstellung zwingend erforderlich, dass einer der Antragsgründe schon vorliegt oder sehr kurzfristig eintreten wird. Die bloße Befürchtung, dass einer der Gründe in einiger Zeit eintreten könnte, reicht für einen wirksamen Antrag nicht aus.
  • Der Antragsteller muss versichern, dass der Finanzierungsengpass nicht bereits vor dem 1. März 2020 bestanden hat. Der Antragsteller muss zusätzlich erklären, dass es sich bei dem Unternehmen zum Stichtag 31. Dezember 2019 nicht um ein "Unternehmen in Schwierigkeiten" handelte. Dies adressiert einerseits Unternehmen, die sich in einem Insolvenzverfahren befinden und andererseits Unternehmen deren Stammkapital mehr als die Hälfte aufgebraucht ist. Mehr als die Hälfte des gezeichneten Stammkapitals (inkl. aller Agios) ist infolge aufgelaufener Verluste verlorengegangen. Dies ist der Fall, wenn sich nach Abzug der aufgelaufenen Verluste von den Rücklagen (und allen sonstigen Elementen, die im Allgemeinen den Eigenmitteln des Unternehmens zugerechnet werden) ein negativer kumulativer Betrag ergibt, der mehr als der Hälfte des gezeichneten Stammkapitals entspricht.
  • Die Mittelverwendung ist nicht vorgeschrieben und insoweit frei verwendbar; einzige Ausnahme ist, dass keine Erfüllung bereits bestehender Kontokorrent-, Zins- oder Tilgungsforderungen damit erfolgt.
  • Private Rücklagen müssen nicht aufgebraucht sein, um den Zuschuss zu beantragen. Um den Zuschuss zu erhalten, muss in Folge der Corona-Krise ein massiver finanzieller Engpass entstanden sein und vorhandene Mittel reichen nicht aus, um die kurzfristigen Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen. Die vorhandenen Mittel umfassen nur den aktuellen Cashflow, also die Differenz von Einnahmen und Ausgaben, und nicht Rückstellungen oder private Rücklagen.
  • Sollte der Finanzierungsengpass beim Soloselbstständigen im Haupterwerb dazu führt, dass er sein regelmäßiges Gehalt nicht mehr erwirtschaften kann, dient die Soforthilfe auch dazu, das eigene Gehalt und somit den Lebensunterhalt zu finanzieren.
  • Handelt es sich um eine Anzahl von Unternehmen, die in einer Hand liegen, so können unter bestimmten Voraussetzungen Zuschüsse für jedes Unternehmen beantragt werden. Hierbei wird differenziert nach eigenständigen Unternehmen und verbundenem Unternehmen. Sollte es sich um ein verbundenes Unternehmen handeln, ist hinsichtlich des Finanzierungsengpasses nur auf das Gesamtunternehmen (Mutterunternehmen) abzustellen. Es muss gewährleistet sein, dass in diesem Fall der Schwerpunkt des Gesamtunternehmens (Hauptsitz!) in Nordrhein-Westfalen liegt. Solo-Selbständige können bei mehreren angemeldeten Gewerben nur einen Antrag pro Person stellen. Sobald die Gewerbe jedoch angestellte Mitarbeiter beinhalten, kann pro unterschiedlichem Gewerbe ein einzelner Antrag gestellt werden, solange es sich um eine  eigene Rechtspersönlichkeit (Personenhandelsgesellschaft oder Kapitalgesellschaft) handelt. Für eine Unterscheidung zwischen eigenständigem und verbundenem Unternehmen sind grundsätzlich sämtliche Beziehungen zu berücksichtigen. Nur ein Indiz hierfür gibt der jeweilige Abschluss. Unternehmen, die einen konsolidierten Abschluss erstellen oder in den konsolidierten Abschluss eines anderen Unternehmens einbezogen werden, gelten in der Regel als verbundene Unternehmen.

b) Darlehensvergabe
Seit vergangener Woche ist die Durchführung der Darlehensbeantragung für die jeweiligen Corona-Programme der KfW und NRW Bank bekannt. Noch unklar war bislang, in welcher Art und Weise eine beschleunigte Bearbeitung der Programme stattfinden sollte. Grund hierfür war das bislang bestehende Hausbankprinzip, welches zunächst eine Risikoprüfung durch die Hausbank und dann im Anschluss durch die jeweiligen Institutionen enthielt. Dieser Prozess sollte im Rahmen der erwarteten Antragsflut deutlich beschleunigt werden. Insoweit haben sich die Beteiligten auf eine Verfahrensbeschleunigung derart geeinigt, dass die Hausbanken die Risikobewertung übernehmen und bei Erfüllung festgegebener Kriterien mit einer 80 oder 90-prozentigen Haftungsfreistellung seitens der KfW  fest gerechnet werden kann.

Im Rahmen der Risikoprüfung wurde sodann das grundsätzliche Gerüst ausgegeben, welche Voraussetzungen bestehen müssen, damit ein Unternehmen antragsberechtigt für die jeweiligen Corona-Programme ist. Wesentliche Voraussetzung ist, dass die beantragenden Unternehmen vor der Corona-Krise - und zwar hier zum Stichtag 31.12.2019 - nicht in Schwierigkeiten gewesen sein durften und geordneten wirtschaftlichen Verhältnissen gelaufen sind.  Unternehmen sollten demnach grundsätzlich keine Antragsschwierigkeiten haben, wenn sie bis zu diesem Stichtag zu keiner Zeit wirtschaftliche oder auch liquiditätsseitige Engpässe hatten.

Erkennbar wird, dass Unternehmen mit schlechteren Ratings oder heterogener Entwicklung in der jüngeren Vergangenheit Probleme beim Zugang zu den Programmen bekommen werden. Sie müssen hier deutlich höhere Hürden überwinden. Die Hausbanken verlangen aktuell zahlreiche zusätzliche Nachweise und Unterlagen, mit denen die wirtschaftliche Lage und die Prognosen untermauert werden müssen. Es muss für solche Unternehmen also davon ausgegangen werden, dass das Antragsverfahren deutlich mehr Aufwand und vor allem Zeit erfordert.

Darüber hinaus soll im Rahmen der Darlehenshingaben gewährleistet werden, dass die Unternehmen zukünftig für die jeweilige Verschuldungsgröße einen Kapitaldienst erbringen können. Aus diesem Grund umfassen die Antragsunterlagen auch eine Planung für das Geschäftsjahr 2021, für die zunächst eine Rückkehr zur „normalen“ Entwicklung wie in Vorjahren unterstellt werden darf. Damit ergibt sich in der Regel ein weiteres Hindernis für solche Unternehmen, die aufgrund ihrer schon vorhandenen Finanzierungsstruktur und eines möglicherweise nicht unmittelbar ausweitbaren Geschäftsmodells die Bedienung zusätzlicher Darlehen nicht gewährleisten können.

Unsere Empfehlung
Für Unternehmen, die bislang weder wirtschaftliche noch liquiditätsseitige Schwierigkeiten hatten, wird ein entsprechender Antrag grundsätzlich ohne Probleme verlaufen. Für alle anderen ist damit zu rechnen, dass zusätzliche Hürden bestehen, die den Zugang zu den Programmen möglicherweise verhindern.
Planen Sie genügend Zeit ein und bereiten Sie die Antragsunterlagen möglichst gründlich vor, um in dieser Phase nicht kostbare Zeit zu verlieren und anschließend feststellen zu müssen, dass Ihnen der Zugang zu den Programmen verwehrt wird. Entwickeln Sie in jedem Fall auch einen Plan B ohne oder mit nur geringerer zusätzlicher Darlehensaufnahme für die Krisenbewältigung. Besondere Berücksichtigung finden hier sicherlich Varianten von Ratenaussetzungen bestehender Dauerverpflichtungen.

c) Zwei Milliarden Euro – Bundesregierung plant Corona-Hilfe für Startups
Vom Stabilitätsfonds ist der Großteil der Startup-Szene ausgeschlossen. Nun hat das Finanzministerium zusätzliche Mittel geschaffen, um Finanzierungsrunden zu unterstützen.

Die Bundesregierung plant die Bereitstellung eines Betrags in Höhe von 2 Milliarden € zur Unterstützung von Startup-Unternehmen. Die Summe soll nicht auf direktem Wege an die Unternehmen gezahlt werden, sondern an private Investoren, die betroffene Unternehmen stützen wollen. Antragsberechtigt sollen nicht nur Venture Capital-Gesellschaften sein, sondern auch kleinere Gesellschaften wie Gründerteams.

Einzelheiten hierzu sind aber zur Zeit noch nicht öffentlich bekannt. Wir werden Sie dazu auf dem Laufenden halten.

Haben Sie zu einzelnen Fragenkomplexen Fragen oder Anmerkungen, wenden Sie sich bitte an Ihren persönlichen Ansprechpartner im audalis-Team.

Gerne stehen Ihnen auch die Mitglieder der Corona-Task Force für Ihre Rückfragen  zur Verfügung.

Nutzen Sie dazu unsere gesonderte e-mail-Adresse:
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Ihre Spezialisten für den jeweiligen Fachbereich:

Arbeitsrecht - Dr. Eric Sebastian Barg
Insolvenz- & Gesellschaftsrecht – Dr. Aare Schaier
Steuerrecht - Olaf Becker / Georg Schleithoff
Betriebswirtschaft – Guido Geis



Bleiben Sie bitte vor allem gesund.

Ihr audalis-Team

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