Mittwoch, 12 Februar 2020 06:29

Beschränkung der Verrechenbarkeit von Verlusten bei Kapitaleinkünften

Steuerverschärfung durch die Hintertür.

Im Rahmen einer kurz vor Weihnachten 2019 beschlossenen Änderung des Einkommensteuergesetzes, die im allgemeinen Reformprozess des Jahres 2019 für viele untergegangen ist, wird die Verrechnung von Gewinnen und Verlusten bestimmter Finanzprodukte ab 2021 deutlich beschränkt. Die Änderung kann für bestimmte Kapitalanleger starke Auswirkungen haben. Die neuen Verrechnungsregeln beziehen sich insbesondere auf Finanzinstrumente mit Terminkomponenten. Darunter sind ggf. neben Futures und Optionen auch Hebelzertifikate, Optionsscheine, Mini-Futures und sogenannte CFDs zu verstehen – die genauen Verständnisklärung des umfänglichen „Termingeschäftsbegriffs“ wird voraussichtlich durch weitere BMF-Schreiben erfolgen.

Die ab dem 1. Januar 2021 wirksame Änderung schränkt die Verrechenbarkeit der oben genannten Finanzinstrumente deutlich ein. So sind Verluste aus solchen Finanzinstrumenten ausschließlich mit Gewinnen aus gleichartigen Geschäften verrechenbar. Außerdem ist die Verrechenbarkeit der Verluste aus den Termingeschäften auf maximal 10.000 Euro pro Jahr beschränkt. Darüberhinausgehende Verluste können zwar in die Folgejahre vorgetragen und dort mit entsprechenden Termingeschäftsgewinnen verrechnet werden, die Beschränkung bis maximal 10.000 Euro bleibt allerdings auch in den Folgejahren bestehen. Insofern entstehen „lange Kredite“ gegenüber dem Fiskus, deren Verfassungsmäßigkeit schlussendlich wohl gerichtlich überprüft werden wird.

Außerdem sind Verluste aus der Uneinbringlichkeit von Kapitalforderungen, aus der Ausbuchung wertloser Wirtschaftsgüter, aus der Übertragung wertloser Wirtschaftsgüter auf Dritte und aus sonstigen Ausfällen solcher Wirtschaftsgüter ab 2021 ausschließlich mit Einkünften aus Kapitalvermögen verrechenbar. Auch hier wird die Verrechenbarkeit auf 10.000 Euro pro Jahr beschränkt. Diese Einschränkung dreht profiskalisch auf gesetzlicher Ebene anderslautende Entscheidungen des BFH zu Lasten der Steuerpflichtigen zurück – auch hier ist schlussendlich mit gerichtlichen Überprüfungen der Regulierungen zu rechnen.

Ein Beispiel bzgl. der Termingeschäfte: Erzielt ein Steuerpflichtiger in einem Jahr aus Termingeschäften Gewinne i. H. v. 100.000 Euro und Verluste i. H. v. 60.000 Euro, wären bislang nur die Differenz, also 40.000 Euro, zu versteuern. Bei dem geltenden Abgeltungssteuersatz von 25 % würde dies zu einer Steuerschuld von 10.000 Euro führen. Mit der beschlossenen Änderung des Einkommensteuersatzes sind ab 2021 allerdings lediglich Verluste i. H. v. 10.000 Euro verrechenbar, sodass 90.000 Euro zu versteuern sind. Infolgedessen liegt die Steuerschuld bei 22.500 Euro, statt 10.000 Euro.
Sollten Sie Fragen zu diesem Thema haben, hilft Ihnen unser WP/StB Christian Brütting gern weiter.